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EU-Richtlinie zum Umgebungslärm:

Vorschlag der EU-Kommission und des Rates der Mitgliedstaaten für Dosis-Wirkungs-Relationen im Anhang III der Richtlinie

Die Richtlinie 2002/49/EG des Europäischen Parlaments und des Rates über die Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm von 2002 ist bekanntlich eine wichtige Grundlage für eine harmonisierte Politik der Lärmbekämpfung in Europa. Sie hat bewirkt, dass die europäischen Mitgliedstaaten seit 2007 im fünfjährigen Turnus die Geräuschbelastungen durch die dominierenden Quellen des Verkehrs und des Gewerbes bestimmen und in den Gebieten, in denen diese kritisch sind, Lärmaktionspläne zum Abbau dieser Belastungen entwickeln und umsetzen lassen. Im Anhang III der Richtlinie „Methoden zur Bewertung der gesundheitsschädlichen Auswirkungen“ wurde vorgeschlagen, das Vorliegen von gesundheitsschädlichen Auswirkungen des Umgebungslärms auf der Basis so genannter Dosis-Wirkungs-Relationen zu ermitteln. Die Richtlinie enthielt zum Zeitpunkt ihrer Verabschiedung keine derartigen Relationen.

Mit der Verabschiedung der Leitlinien für Umgebungslärm für die europäische Region seitens der WHO im Herbst 2018 (siehe z. B. den ALD-Newsletter Nr. 5/2018, oder die ausführliche Diskussion dazu im Akustik Journal Nr. 02 / Juni 2019 der DEGA) liegen inzwischen gut abgesicherte Empfehlungen für derartige Relationen für einige Quellen und einige Gesundheitsrisiken vor.

Die Kommission hat deshalb einen Vorschlag entwickelt, den Anhang III der Richtlinie zu konkretisieren (siehe die Ratsdokumente mit dem Entwurf der Richtlinie der Kommission und dem Entwurf des Anhangs III). Der zwischen der Kommission und dem Europäischen Rat abgestimmte Vorschlag ist am 06.08 2019 veröffentlicht worden. Der Vorschlag für neue Dosis-Wirkungs-Beziehungen beruht auf den Leitlinien für Umgebungslärm der WHO. Im Anhang III wurden nur die Dosis-Wirkungs-Beziehungen aufgenommen, für die sogenannte starke Empfehlungen vorliegen.

Das sind im Einzelnen die Beziehungen für starke Belästigungen und starke Schlafstörungen infolge der Verkehrslärmquellen Straße, Schiene und Luft. Zusätzlich enthält der Anhang III einen Vorschlag für das Relative Risiko RR einer ischämischen Herzkrankheit (IHK) infolge des Straßenverkehrslärms.
Damit liegen für einige gesundheitsschädliche Auswirkungen von Lärm aktuelle Befunde vor. Es ist aber nicht zu übersehen, dass für eine allgemeine Lärmschutzpolitik wesentliche Wirkungsaussagen fehlen, z. B. für den Gewerbelärm und für relative Risiken für weitere klassifizierte Krankheiten wie Schlaganfall, Depressionen, Diabetes usw.

Ein weiteres Problem ist es, dass im Anhang III darauf verzichtet wird, eine konkrete Schwelle vorzuschlagen, die zur Vermeidung der gesundheitlichen Risiken nicht überschritten werden sollte. Insofern bleibt der Anhang III hinter den Leitlinien der WHO zurück. Für die deutsche Lärmschutzpolitik ist es deshalb erforderlich, sich auf diese Schwellen zu verständigen. Die Leitlinien der WHO liefern dafür einen guten Ansatz.

Es ist ferner zu empfehlen, für Gesundheitsrisiken, die im Anhang III der Richtlinie zum Umgebungslärm nicht quantifiziert sind, auf aktuelle Ergebnisse deutscher Lärmwirkungsstudien zurückzugreifen. Insbesondere auf die NORAH-Studien, die bedauerlicherweise in die Empfehlungen der WHO nicht eingegangen sind.

Insgesamt ist es erforderlich, auf europäischer oder auf nationaler Ebene die Lärmwirkungsstudien weiterzuentwickeln.